DATE
1st April 2010
Den Samstag des m4music Festival eröffnete eine Legende der elektronischen Musik. Karl Bartos spielte sein Programm: "LiveCinema: The Rhythmic Screen" – eine Hommage an die Geschichte der elektronischen Musik und des absoluten Film der 20er Jahre. Von Patrick Holenstein für students.ch
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THE MESSAGE
Grüne Digitalzahlen flimmern hypnotisch über die drei Bildschirme hinter Karl Bartos und seinen beiden Mitmusikern Mathias Black und Sascha Wild. Gelegentlich ein ”One, Two” von Bartos und schon findet man sich auf der schönsten Technoparty. Die Bässe wummern druckvoll, zu spüren bis in die Eingeweide. Die Kegel und Strahlen der Scheinwerfer beleuchten den Raum nervös, so muss das sein, schliesslich wird auf der Bühne eine Zeitreise gestartet, eine audiovisuelle Reise in die Blütezeit des Techno Pop.
Und Karl Bartos zelebriert seine Musik mit Hochgenuss, strahlt, werkelt an den diversen Computern und Apparaturen vor ihm und kreiert eine Show, die fasziniert. Egal ob er Binärcodes über die Leinwände schickt, ob er, wie bei ”15 Minutes of Fame”, bekannte Persönlichkeiten von Georg Martin, Max Ernst, Glenn Gould, Igor Stravinsky, Bob Dylan über Frank Zappa bis zu den Beatles auf die Leinwände projiziert, Computer tanzen lässt oder zu Tour de France Bilder eben dieser zeigt, seine Kreationen faszinieren. Besonders spannend ist, dass Bartos die Bilder nie gleich mischt. Er fügt die einzelnen Elemente bei jeder Show so zusammen, wie er gerade Lust hat. Er vergleicht dies im Students-Interview mit der Arbeit eines Jazzmusikers, der zwar seine Standards hat, jedoch im Stande ist, diese neu zu arrangieren. Er definiert sich als ”Bildmusiker”.
Eine Gefahr bei elektronischer Musik kann sein, dass die Stücke mit der Zeit eintönig klingen. Dies umschifft Karl Bartos allerdings geschickt, indem er gelegentlich grosse Klassiker aus dem Schaffen KWs einbaut. Etwas Das Model, Computerliebe oder bereits erwähnte Tour de France. Bartos gelingt es, nicht zuletzt durch die Videos, die mal kubistisch, mal dadaistisch und mal schlicht wie Nonsens wirken, eine Art roten Faden durch seinen Auftritt zu ziehen. Dem aufmerksamen Hörer bleibt nicht verborgen, wie sich gelegentlich diegetische Klänge (Ambience, Fangekreische etc.) in die Musik einblenden und dass – wie bei der Filmproduktion – die Sound Design-Ebene von Bartos als Gestaltungsmittel eingesetzt wird. So bleibt als Fazit, dass das Gesamtkonstrukt des LiveCinemas genau so gut funktioniert, wie es die Songs von KW bis heute tun.
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