DATE
28th March 2010
Was wäre die moderne Musik ohne Elektronik? Der frühere KW-Schlagzeuger und Autor Karl Bartos referiert am M4Music – und lässt in seinem Live Cinema Bilder und Beats verschmelzen. Von Björn Schaeffner/Zürich Tagesanzeiger
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THE MESSAGE
Am Anfang war das Original. Natürlich. Ein Sound war an das Medium gebunden, mit dem er erzeugt wurde. Ob Trommel- oder Donnerschlag: Er war nur an diesem Ort und zu diesem Zeitpunkt zu hören. Einzigartig. Bis die Maschine kam und das änderte: Der Phonograph von Thomas Alva Edison läutete 1877 das Zeitalter der Reproduzierbarkeit von Tönen ein.
«Musica ex Machina» heisst der Vortrag, den Karl Bartos am diesjährigen M4Music Festival hält. Es ist eine kurze Geschichte der elektronischen Klangaufzeichnung und ihrer Pioniere. Bartos, der an der Berliner Universität der Künste «Sound Studies – Akustische Kommunikation» lehrt, hat selbst elektronisches Neuland betreten: Der Schlagzeuger gab mit seinen Rhythmen den Takt an, als die Band KW LP-Klassiker wie «Trans Europa Express», «Computerwelt» oder «Die Mensch-Maschine» schuf, mit Tracks, die die Schaltkreise des Pop gründlich elektrifizierten. Auch Hiphop, Chicago-House und Detroit-Techno bedienten sich am tonalen Genpool der «einflussreichsten deutschen Band aller Zeiten» («Der Spiegel»).
Er mache sich kaum Gedanken darüber, was er zum Kanon des Pop beigetragen habe, sagt Bartos im Telefoninterview. Bartos spricht in langen, verschachtelten Sätzen, lacht häufig, ist von ausgesuchter Höflichkeit. Ein Gentleman der alten Schule, auch wenn er mit dem Etikett der Oldschool nicht warm werden will. 1991 hat er KW verlassen, um sich Soloprojeken zu widmen. Heute ist Bartos Bildmusiker, ein VJ. «Die visuelle Musik ist quasi das Schlusskapitel in der Geschichte der maschinengenerierten Musik», sagt er. «Und das mache ich zurzeit; ich verknüpfe die Rhythmen von Bildern und Musik.».
Flugzeuge und Vocoderstimme
Das geht gemäss einem Web-Video so: Bartos lässt Flugzeuge zu pulsierendem Elektro und einer KWschen Vocoderstimme über die Leinwände rasen. Hier ein Snapshot aus den Sechzigern, dort eine Collage um Pioniere der modernen Musik. Hinter dem Live-Cinema-Projekt «The Rhythmic Screen» steckt eigentlich ein grösseres Vorhaben. «Seit über einem Jahr bin ich daran, neunzig Minuten Bildermusik zu schneiden, einzuordnen, im Rhythmus zu gestalten. So richtig durchzugestalten.» Wird das ihr bildmusikalisches Opus Magnum, Herr Bartos? «Es ist zwar nicht die Sixtinische Kapelle, aber sicher ein Haufen Arbeit.»
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